Der Tonle Sap – Fluss fließt rückwärts
15.10.04 – Ein Fluss fließt rückwärts, jaja. Das ist aber nicht Gegenstand fernöstlicher Meditation sondern daran ist der Mekong schuld. Wie das ?
Zunächst verlassen wir den Mekong. Ab Phnom Penh fahren wir früh um 05:00 Uhr weiter in das 108 km entfernte Kâmpóng Chhnang (wie wird man das aussprechen?), und zwar über einen Seitenarm des Mekong, den Tonle Sap – Fluss. Seitenarm klingt auch recht niedlich für den Tonle Sap, denn der unterscheidet sich in großen Teilen kaum vom Mekong, was
seine Ausdehnung angeht. Da es gerade Oktober ist, fährt das Schiff durch ein riesiges Überschwemmungsgebiet, welches alles, was wir bisher kannten, in den Schatten stellt. Doch die Menschen haben sich – scheinbar – damit arrangiert. Ist das möglich ? Ja, ist es, um es vorweg zu nehmen. Die Leute haben aber auch keine Wahl. Ich musste bei diesen Bildern an die Flutkatastrophe im Elbtal in Sachsen im Jahre 2002 denken. In Kambodscha wird im Gegensatz zu den im Nachgang geflossenen Euro in Deutschland sicher kein einziger kambodschanischer Riel als Schadenersatz fließen. Die Überschwemmung findet hier regelmäßig jedes Jahr statt. So sind die Hütten entsprechend gebaut, da das Wasser jedes Jahr so hoch steigt. Es gibt hier ein einziartiges Phänomen. Der Tonle-Sap – Fluss verbindet den Tonle – Sap – See mit dem Mekong. Normalerweise fließt das Wasser aus dem Tonle – Sap – See in den Mekong. Aber während der Regenzeit, so etwa von Juni bis Oktober führt der Mekong soviel Hochwasser, dass das Wasser aus dem Mekong durch den Tonle – Sap – Fluß in den Tonle – Sap – See gedrückt wird, wodurch der See bis auf die doppelte Fläche anwachsen kann. Zum Ende der Regenzeit, wenn der Mekong wieder weniger Wasser führt, schlägt die Strömung wieder um und das in der Regenzeit eingeströmte Wasser fließt wiederum aus dem Tonle – Sap – See in den Mekong. Das Umschlagen der Strömung feiert man in Kambodscha mit einem Wasserfest, welches 
im Oktober oder November stattfindet. Das übliche Fortbewegungsmittel ist ein Ruderkahn, den man sehr häufig sehen konnte. Wie überall in Asien, wenn Wasser in der Nähe ist, spielt sich das Leben zum großen Teil auf demselben ab. Wie wir gesehen haben, ist das manchmal nicht ganz freiwillig der Fall. Das Boot links dürfte aber schon für kambodschanische Verhältnisse zur Luxusausrüstung gehören, weil ja nicht jeder ein Motorboot sein Eigen nennt. Man schaue mal in die Gesichter der Leute…

Wir erreichen Kâmpóng Chhnang. Das ist eher ein kleines Nest, nicht besonders aufregend aber die Leute waren sehr, sehr freundlich. Hier habe ich zum ersten Mal gegrillte Käfer gesehen. Nur gesehen, nicht gegessen. Die waren 3-6 cm groß, knusprig-braun-schwarz in leckerer Soße. Optisch schon nicht schlecht. Trotzdem habe ich die nicht probiert und leider war der Film gerade voll. Man fotografierte damals noch auf gewöhnlichem Farbnegativfilm, wenn sich jemand erinnert, was das war und die liegen in Kambodscha wahrlich nicht überall rum. Es gibt auch geröstete Vogelspinnen, aber die muss man wohl besonders mögen … Die Freude bei den Kindern über die Besucher mit den langen Nasen war echt.

Nach zu kurzem Aufenthalt in der Stadt ging die Reise weiter bis zum Tonle – Sap – See, den wir bei Sonnenuntergang erreichten. Die Landschaft änderte sich bis dahin stündlich. Am Eingang zum See blieb das Schiff liegen, denn das Befahren des Sees in der Nacht ist untersagt. Dann ging die Sonne untzer über dem See – wie im Film. Kitschig schön. Am nächsten Morgen war die Überquerung des Sees und dann endlich die Fahrt nach Siem Reap und nach Angkor vorgesehen.